Gräberfelder im Asseler Holz

Lageplan

Zur Zeit des Königreichs Westphalen – zwischen 1807 und 1813 – hören einquartierte Offiziere der napoleonischen Armee von Hügeln im Asseler Holz. "Die Stelle, wo solche am nächsten an das Dorf Hohenassel herantreten, wird auch hie und da mit dem Namen 'Heidenkirchhof' bezeichnet und eine halbverklungene Sage läßt unter einem jener Hügel einen goldenen Wagen verborgen sein". Die Offiziere begeben sich daraufhin auf Schatzsuche, stoßen aber lediglich auf Kohle- und Aschereste. [thaerigen 1939]

Mitte des 19. Jahrhunderts wird der spätere Re­vierförster Carl Hermann Langerfeldt im öst­lichen Vorholz auf ungewöhnliche Bodenforma­tionen aufmerksam. In dem den Markgenossen­schaften Hohenassel, Burgdorf und Nordassel gehörenden Buchenwald "finden sich an zwei ver­schiedenen Stellen in bedeutender Anzahl Hügel von Erde von 2 bis 8 Fuß Höhe".


Gräberfeld ohne Urnen

Gräberfeld im Asseler Holz

Gräberfeld aus der Bronzezeit im Asseler Holz

1850 finden auf einem der Gräberfelder Aus­grabungen nach neuesten Erkenntnissen der Zeit statt. Zehn der 65 Hügel werden "von der Seite des Hügels her" – und nicht wie bis dahin üblich von oben – ergraben. Die Grabhügel sind hier ca. 0,90 bis 2,40 m hoch und haben einen Durchmesser von etwa 3,60 bis 9,00 m. In der Mitte jedes Hügels befindet sich auf der Sohle eine Anhäufung von verbrannten Knochen­resten, Asche und Buchenkohle. Die Aus­gräber identifizieren darin neben Bruchstüc­ken von Bein- und Schädelknochen, Rücken­wirbeln und Gelenkköpfen auch einige Eisen-, Kupfer- und Bronzeteile.

Unter einem der Grabhügel finden sie etwa 1,20 m tief im gewachsenen Boden eine ver­kohlte Baumwurzel, die vermuten lässt, dass an dieser Stelle einmal ein Baum gestanden hat. Außerdem liegt unter den meisten Hügeln eine halb verkohlte, halb verweste Laub­schicht, die auf einen Wald hindeutet. Menge und Auffindsituation der Fundstücke lassen Langerfeldt darauf schließen, dass in jedem Hügel nur ein Mensch bestattet worden ist, dessen Leiche an Ort und Stelle verbrannt wurde. Über dieser Stelle wird später der Erdhügel aufgeworfen.

Ein Hügel enthält unverbrannte Knochen. Auch einige Eisennägel werden gefunden.

Die Altertumsforscherin Babette Ludowici ordnet dieses Gräberfeld der Bronzezeit zu [ludowici 2005]. Brandbestat­tungen sind ab der jüngeren Bronzezeit (etwa 1.300 – 600 v. Chr.) üblich. Der Lei­chenbrand wird in jener Zeit typischerweise in Urnen beigesetzt [bock 2002], die hier allerdings nicht gefunden worden sind. Andererseits sind z.B. auf dem Gräberfeld der Römischen Kaiserzeit in Nettlingen, auch Brandbestattungen ohne Ur­ne ergraben worden.


Gräberfeld mit Urnen

Gräberfeld im Asseler Holz

in der Römischen Kaiserzeit und der Völkerwanderungszeit belegtes Gräberfeld im Asseler Holz

1851 wird auf dem von Hohenassel weiter ent­fernten, 120 Grabhügel umfassenden, Gräberfeld gegraben. Hier sind die Grabhügel nur etwa 60 bis 90 cm hoch. Ihr Durchmesser beträgt ca. 6 bis 12 m.

Die Forscher öffnen acht Hügel und finden zunächst immer einen kleinen Stein und dann auf der Sohle je einen gebrannten irdenen Topf ohne Deckel. Alle Gefäße haben verschiedene Formen. Die Tonarten sind unterschiedlich. Jedes enthält eineinhalb bis zwei Pfund Knochenreste, Asche, Spuren von Kohle und Reste oft nicht näher zu erkennender Beigaben. Darüber liegt eine etwa 5 cm dicke, von außen eingedrungene Lehm­schicht. "Einzelne Bruchstücke dieser Knochen scheinen kaum menschlichen Körpern angehört zu haben, und lassen vermuthen, daß zugleich Thiere – vielleicht kleinere Hausthiere – mit jenen verbrannt wurden."

"In einem Aschegefäß ohne alle Verzierung, weder an Farbe noch Zeichnung" befindet sich neben dem üblichen Inhalt "ein kleines etwa 1 □ Zoll großes Bruchstück eines feinern, anscheinend porzellanartigen an der Oberfläche gereiften Gefäßes, (vielleicht einer Trink- oder Opfer­schale) und ein anderes, noch kleineres Bruch­stück einer Knochen- oder Elfenbeinplatte, ver­ziert mit sehr sorgfältig gearbeiteten Gravuren von kleinen concentrischen Kreisen und gleich­laufenden Linien […]."

"Der Tonscherben ist römisches Fabrikat, das Knochenstückchen der Rest eines Kammes", [BLM-UFG, Ortsakte Hohenassel] meint die Kartei des Herzog Anton Ulrich-Museums in Braunschweig. Das Museum hat diese Fundstücke 1865 als Geschenk von Fräulein Faesebeck erhalten. Andere Expona­te gelangen später mit der Sammlung des Abts Thiele in das Museum [BLM-UFG, Katalog Thiele I].

In einer anderen Urne finden die Ausgräber "ein sehr kleines Bruchstück eines Kupfer- oder Bronzedrathes", in einer weiteren ledig­lich "Knochen- und Aschereste".

Im Anschluss an die Grabung werden die Funde in der Vor­halle der Kirche in Hohenassel aufgestellt [BLM-UFG, Ortsakte Hohenassel]. Von ihnen ist heute (fast) nichts erhalten. Ein in der Kirche arbeitender Dachdecker hat sie bereits vor 1926 zertrümmert. Mitte der 1920er Jahre sind allerdings noch vier Urnen aus einer späteren Grabung vorhanden, die aufgrund ihrer Form auf das dritte und vierte Jahrhundert nach Christi datiert werden. [krone 1926]

2013 befinden sich zwei auf der Drehscheibe hergestellte Schalenurnen aus dem Gräberfeld im Asseler Holz im Städtischen Museum Schloß Salder in Salzgitter. [kellner-depner 2003]

Die Funde sprechen dafür, dass dieses Gräber­feld in der jüngeren römischen Kaiserzeit und der Völkerwanderungszeit – also von der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts bis ins 6. Jahrhundert – kontinuierlich belegt wurde. [ludowici 2005]

     


Schalenurne aus dem Gräberfeld Hohenassel

Auf der Töpferscheibe gefertigte Schalenurne aus dem Gräberfeld im Asseler Holz.

[Foto: [thaerigen 1939]]


Notgrabung

Zwei der Grabhügel im Asseler Holz liegen Mitte der 1990er Jahre direkt auf einem Waldweg. Eine Zerstörung der Bodendenkmale ist an dieser Stel­le nicht auszuschließen. Obwohl das Urnengrä­berfeld mit seinen sonst selten erhaltenen Buckel­gräbern unter Denkmalschutz steht, entscheidet das Institut für Denkmalpflege in Braunschweig daher, beide Gräber notgraben zu lassen.

Der Archäologe Hery A. Lauer, der Bodendenk­malpfleger Peter Eckebrecht und eine Gruppe ehrenamtlicher Helfer untersuchen im Juni 1997 den ersten Hügel und stellen fest, dass dieser bereits raubgegraben worden ist. Die Hügel­aufschüttung enthält lediglich "Fragmente von Feuersteinen und anderem ortsfremden Gestein sowie hin und wieder etwas Leichenbrand und oberflächennah korrodierte Metallklumpen". In der Mitte des Hügels befindet sich eine kleine Schnapsflasche, die aufgrund des Etiketts nicht älter als 15 Jahre sein kann und möglicherweise von den Grabräubern stammt. Knapp außerhalb des Hügels entdeckt das Team allerdings eine kleine 8 cm hohe Urne mit einem oberen Durch­messer von 9,5 cm – ein sogenannter "Kumpf".

Als im Mai 1998 der zweite Hügel geöffnet wird, ist auch dieser bereits raubgegraben. In ihm sind ebenfalls nur noch einige Keramikfragmente, ein wenig Leichenbrand und einzelne Feuersteine zu finden.

Die Keramikfunde bestätigen die zeitliche Ein­ordnung des Gräberfeldes in die jüngere Römi­sche Kaiserzeit. Die Feuersteine deuten mög­licherweise auf einen steinzeitlichen Siedlungs­platz an dieser Stelle hin.


Quellen:

[langerfeldt 1852]

Hery A. Lauer, P. Eckebrecht; Zwei Grabhügel aus jüngerer römischer Kaiserzeit – Ergebnisse einer Notgrabung
(aus den Unterlagen von Dr. Sigurd Baltin, Heimatpfleger in Burgdorf, der selbst an der Notgrabung teilgenommen hat)