Aus der Geschichte des Dorfes

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Aus einem Lehnsverzeichnis Graf Siegfrieds I. von Blan­kenburg aus dem Jahr 1212 erfahren wir erstmals von ei­nem villa, que dicitur scelerte, also einem Dorf, das sich Schellerten nennt. Graf Siegfried besitzt dort ein Haus, das seine Familie vermutlich bereits längere Zeit vom Bi­schof von Hildesheim zu Lehn hat. Es ist an Lippold von Escherde unterverlehnt.

Als 1235 das Hochstift Hildesheim von Kaiser Fried­rich II. als Fürstbistum anerkannt wird, ist Schellerten ein Teil davon und bleibt es bis zur Säkularisation 1802. Aber auch die Herzöge von Braunschweig und Lüneburg be­halten hier weiterhin Güter und Rechte.

Im 13. und 14. Jahrhundert gelangt viel Land in die Hän­de von Klöstern und Stiften. So erhalten z.B. das Gode­hardi­kloster, das Kreuzstift, das Johannisstift, das Maria-Magdale­nen-Kloster und das Moritzstift in bzw. vor Hil­desheim Besitzungen in Schellerten. 1377 be­kommt der Kemmer Pfarrer Dietrich von Cramm Güter in Scheller­ten.

1373 und 1374 erwähnen die Quellen einen Schellerter Pfarrer Thiderico (Dietrich), der zu dieser Zeit bereits nicht mehr im Amt ist. Es gibt hier also eine Kirche.

Im 15. Jahrhundert wer­den erstmals die Familie von Sal­dern sowie die Hildes­heimer Bürger­familien Brandis und von Harlessem als Lehns­empfänger genannt.

1556 führt Adolf von Holstein, der das hildesheimische Amt Steuerwald und damit auch Schellerten in Pfand­besitz hat, die lutherische Lehre ein. Schellerten be­kommt einen lutherischen Pastor.

1564 löst Bischof Burchard von Oberg das Amt Steuer­wald wieder ein. Unter dem Hildeshei­mer Bischof Ernst von Bayern beginnt zum Ende des 16. Jahrhun­derts die Rekatholi­sierung, woraufhin die Schellerter 1604 ihr Patronatsrecht an der Kirche an Herzog Hein­rich Julius von Braun­schweig-Lüneburg abtreten. Den Höhe­punkt erreichen die Streitigkeiten in den Jahren 1608 bis 1610. Die Gemeinde wehrt sich in dieser Zeit zu­sam­men mit ihrem mutigen Pastor Ulrich Gerland gegen massive Übergriffe der katholischen Landesherr­schaft. Der Gemeinde wird u.a. der Kirchenschlüssel genommen und die Kirche ver­sperrt. An der Teilnahme an Gottes­diensten in Nachbar­dörfern werden die Schellerter gehin­dert. Pastor Gerland predigt daraufhin 18 Wochen lang auf dem Kirch­hof. Der jahrelange Widerstand hat schließlich Erfolg. Schellerten bleibt lutherisch. 1643 er­hält die Gemeinde ihr Patronats­recht zurück. Es geht spä­ter aber an den Landesherrn – zunächst den Bischof von Hildesheim – über.

1766 wird unter Pastor Johann Heinrich Müller das Kir­chenschiff abge­rissen und mit dessen Neubau begonnen. 1769 errichtet der Hildesheimer Orgelbauer Johann Conrad Müller die Or­gel. Das Orgelprospekt und den Kan­zel­altar, die beide im Rokoko-Stil gehalten sind, fer­tigt der Bildhauer Johann Caspar Mohr. Die Decken­fresken sind ein Werk des Barockmalers Joseph Gregor Winck. Nach fünf­jähri­ger Bauzeit ist das Ge­bäude voll­endet. Es ist mit modera­ten Veränderungen zusammen mit dem mittel­alterlichen Kirchturm bis heute erhalten.

Das 19. Jahrhundert bringt große Veränderungen. 1802 wird das Fürstbistum Hildesheim aufgelöst. Das Staats­gebiet – und damit auch Schellerten – fällt zunächst an Preußen. Unter französi­scher Herrschaft gehört es ab 1807 zum Königreich West­phalen. In dieser Zeit lösen die Schellerter den Korn- und Brachzehnten, die dem Hildesheimer Dom­kapitel und dem Magdalenen-Kloster zustehen, ab. Diese Regelung wird allerdings keinen Be­stand haben, denn nach dem Sturz Napoleons kommt Schellerten zum 1815 neu gegründeten Königreich Han­nover. Alle Veränderungen aus französischer Zeit werden nicht anerkannt. Die Schellerter müssen erneut einen Ab­lösebetrag für den Korn- und Brachzehnten zahlen.

Mit der Ablö­sungs-Ordnung von 1831/33 wird es der Bevölkerung mög­lich, auch all ihre anderen zahlreichen Dienste, Zinsen und Zehnten abzulösen. Aus den bisher von ihren Grundherren abhängigen Besitzern werden so freie Eigen­tümer ihrer Höfe und Ländereien.

Von 1850 bis 61 wird außerdem die Spezialteilung der Gemein­heiten und Verkopplung der Feldmark durchgeführt. Dabei wird die Feldmark neu geordnet. Entwässerungs­gräben werden angelegt. Im Ergebnis ist nun jeder Acker über einen Feldweg erreichbar. Der Bauer kann daher selbst entscheiden, was er wo anbaut. Auf die Beschlüsse der Dorfgemeinschaft muss er keine Rücksicht mehr neh­men.

Mitte des Jahrhunderts setzt im Dorf eine rege Bau­tätigkeit ein. Auf den Höfen entstehen viele neue Wirt­schafts­gebäude. Einige Bauern verlassen das alte Dorf und siedeln sich am Dorfrand neu an. Auch das alte Schul­haus ist baufällig. 1856 lässt die Gemeinde ein neues Ge­bäude errichten.

1866 wird Schellerten wieder preußisch.

Ahstedt-Schellerter-Zuckerfabrik

1873 nimmt die Ahstedt-Schellerter-Zuckerfabrik ihren Betrieb auf. Damit verändert sich auch das Land­schaftsbild. Waren in den Jahrhunderten zuvor Roggen-, Gerste- und Haferanbau prägend, werden jetzt auch Zuckerrüben für die örtliche Fabrik angebaut.

Am 16. August 1888 fährt der erste Zug von Hildesheim nach Hoheneggelsen. Die Strecke wird im Folgenden bis Braunschweig weitergeführt. Schellerten findet Anschluss über den Bahnhof Garbolzum. Es entstehen neue Ar­beitsplätze. Gewerbetreibende, Arzt, Apo­the­ker und Tierarzt siedeln sich an.

Durch den Zuzug, insbesondere zahlreicher Bahnarbei­terfamilien, steigt die Schülerzahl auf über 120. Das Schulgesetz verlangt dafür einen zweiten Lehrer, der natürlich auch einen Unterrichtsraum benötigt. 1893 wird daher mitten im Dorf ein neues Schulgebäude mit zwei Klassenzimmern und einer Wohnung für den zwei­ten Lehrer errichtet. Der erste Lehrer bleibt im Schul­gebäude von 1856 wohnen. Am Ende des 19. Jahrhun­derts hat sich das uns heute vertraute Dorf herausge­bildet.


Schellerter Schule

um 1900

In den Jahrzehnten um 1900 werden viele der heute noch aktiven Vereine gegründet. 1902 richtet die Gemeinde eine Freiwillige Feuerwehr ein. 1911 bekommt Schel­lerten Elektrizität, 1935 eine zen­trale Wasserversorgung.

Mitte der 1940er Jahre verviel­facht sich die Einwohner­zahl, als zahlreiche Flüchtlinge und Vertriebene im Dorf aufgenommen werden müssen. In den Nachkriegsjahren verändern sich die Lebensbe­din­gun­gen erneut. Viele Dorfbewohner finden Arbeit in großen Industrie­betrie­ben, gering bezahlte Arbeits­plätze in der Landwirtschaft können nur noch schwer besetzt werden. Die Technisie­rung der Landwirtschaft setzt ein. Das Schulhaus ist durch den Bevölkerungszuwachs erneut zu klein. 1953 bekommt das Gebäude von 1893 deshalb einen Anbau mit zwei Klassenräumen. Im Keller wird eine Badeanstalt für die Dorfbevölkerung eingerichtet.


Schellerter Schule

Schulgebäude mit dem Anbau von 1953
[GASch Sche F 83-1]

1963 fusioniert die Ahstedt-Schellerter-Zuckerfabrik mit der Zuckerfabrik in Rethen. Fünf Jahre lang läuft der Betrieb in beiden Werken weiter, dann wird er in Schel­lerten eingestellt. Etwas 15 Jahre wird das alte Werks­ge­lände noch als Verladestation für Zuckerrüben genutzt.

Um 1970 wird die hiesige Schule Mittelpunkt-Grund­schu­le. Auch die Grundschüler aus umliegenden Dörfern werden nun hier unterrichtet. Wieder ist das Schul­gebäu­de zu klein. Ein Pavillon mit drei Klassenräumen wird gebaut.

Am 1. März 1974 schließen sich zwölf Dörfer zur Ein­heits­gemeinde Schellerten zusammen. Der Verwal­tungs­sitz kommt nach Schel­ler­ten. 1985 wird das neu gebaute Rathaus einge­weiht. Die Ortsfeuerwehr bekommt zwei Garagen, Um­kleide- und Unterrichtsräume in diesem Gebäudekom­plex.

Seit dem Bau der Kartoffellagerhalle 1986 werden in der Region vermehrt Kartoffeln angebaut.

Ab 1990/91 wird die Schule zum bisher letzten Mal umgebaut. Sie erhält vier neue Klassenzimmer und eine Aula. Der Pavillon wird später abgerissen.

1995 wird die Jugendfeuerwehr gegründet. 1999 öffnet der DRK-Kindergarten. Er bietet Platz für 50 Kinder.

2004 beginnt die Planung für das Seniorenwohnheim an der Farmser Straße.

Mit dem Schuljahr 2005/06 schließen sich die Grund­schule Schellerten und die Grundschule Dinklar zur Bördeschule Schellerten-Dinklar zusammen. Beide Schul­stand­orte bleiben bestehen.

2006 kommt die DRK-Rettungswache nach Schellerten.

Heute gibt es noch drei Vollerwerbshöfe im Dorf, die von den Bauern mit wenigen Hilfskräften bewirtschaftet werden. Das alte Zuckerfabriksgelände wird von einem Transportunternehmen, Handwerksbetrieben, Künst­lern und als Wohnraum genutzt. Im Dorf sind noch einige Handwerker, Händler und mittelständische Unter­nehmen tätig. Zwei Super- und ein Drogeriemarkt, Volksbank, Ärztin und Zahn­ärzte runden das Angebot ab. Auch der Pastor wohnt noch im Dorf.

Im Frühjahr 2014 kehren die Störche nach Schellerten zurück. Ein Storchenpaar baut sein Nest auf dem alten Zuckerfabriksschornstein.