„ ... in dem zu Eurer Inspection gehorigen Dorff Schelerten, ein gantz neuer Kirchbau vorgenommen wurde“

 

heißt es in einem Schreiben des hildesheimischen Konsistoriums an Superintendent Raberti in Gödringen vom 18. Juli 1766. Das Konsistorium ist befremdet, dass es davon keine Kenntnis hat und fordert den Superintendenten und den Pastor loci auf, dazu Stellung zu nehmen. Superintendent Raberti teilt seiner vorgesetzten Kirchenbehörde daraufhin mit, dass ihm zwar bekannt sei, dass der örtliche Pastor Johann Heinrich Müller einen Kirchenbau plane, er aber nicht über einen Baubeginn informiert sei zumalen schon 3 Jahre verflossen, als ich daselbst Visitation gehalten.

 

Bereits Pastor Müllers Vorgänger Melchior Christoph Fahrenholz plant um 1730 einen Kirchenbau in Schellerten. Seit dieser Zeit haben die beiden Pastoren jederzeit die wenigen Fixa unserer Kirche genau und sparsam gesamlet um zu einem neuen Gotteshause zu gelangen.

 

1760, Mitten im Siebenjährigen Krieg, berichtet der Steuerwaldische Amtmann von Weber, dass die Kirche nicht nur in sehr schlechten Umständen, was das Langhaus betrifft, befunden, sondern der nahe Umsturtz zu beförchten stehet, weshalb die Gemeinde Schellerten die erforderlichen Steine in dem Ottbergischen Steinbruch würklich brechen laßen und bezahlt hat, ohne daß solche bißhero angefahren werden können, der dasige Steinbrecher auch dieselbe nicht länger daselbst aufbehalten kan noch will. Die Schellerter Einwohner bitten daher die fürstbischöfliche Regierung in Hildesheim darum, sie von den zu leistenden Kriegsfuhren zu befreien. Die Steinfuhren für den Kirchenbau sind Ihnen neben ihrer täglichen landwirtschaftlichen Arbeit sonst nicht möglich. Trotz Zustimmung des Amtmanns gab es keine Befreiung von den Kriegsfuhren.

 

Fünf Jahre später, der Krieg ist seit zwei Jahren vorbei, wendet sich Pastor Müller mit der Bitte an die Regierung, der Gemeinde zu Schelverten anzubefehlen, daß sie die zu besagtem Kirchenbau behuefigen Steinfuhren, wozu sie sich einmahl erbothen, ohne ferneren Aufenthalt, weil das alte Gebäu nunmehro nach verlauffenen Jahren noch stärker den zu befürchtenden Umfall vor Augen setzet, schuldigst verrichten müße. Woraufhin die fürstliche Regierung bey angedrohter Execution die Bauern zu Anlieferung nötiger Materialien anhält, was sie dann auch getan haben, denn, wie bereits berichtet, beginnen die Schellerter 1766 mit dem Kirchenbau ohne zuvor eine Genehmigung eingeholt zu haben. Um diese nachträglich zu erlangen, mussten Pastor, Altaristen und Bauermeister am 15. Januar 1767 beim Konsistorium in Hildesheim vorstellig werden.

 

Im Januar 1772 legt Pastor Müller dem Konsistorium die Abschlussrechnung vor. Die Baukosten betragen 4075 Talern 26 Mariengroschen und 2 Pfennige. Sie sind zu über 90 % von den Schellertern selbst aufgebracht worden.

 

Quelle: HStA H, Hann. 83 II Nr. 4752 und Hild. Br. 7 Nr. 993