"Liebestätigkeit der Gemeinde"

überschreibt der Schellerter Lehrer Friedrich Hake 1914 folgenden  Bericht in der Schellerter Schulchronik:


Gleich nach Beginn des Krieges zeigte sich in hiesiger Gemeinde eine große Liebestätigkeit. Es bildete sich ein Zweigverein des Roten Kreuzes, geleitet von Frau Doktor Miehe, Frau Pastor Loning und Frau Hofbesitzer Wehrspann. Reiche Geldspenden wurden gegeben, sodaß die erste Sammlung etwa den Betrag von 1500 M ergeben hat. Die Summe ist aber durch reiche Zuwendungen fast um das Doppelte erhöht. Der Hilfsverein des Roten Kreuzes veranstaltete alle vier Wochen eine Frauenversammlung, auf welcher über weitere Hilfsbereitschaft beraten wurde. Groß ist die Zahl der Liebesgaben, die für die im Felde stehenden Soldaten gestiftet worden sind. Erwachsene und Schulmädchen strickten für das Heer Strümpfe, Kniewärmer, Leibbinden, Pulswärmer, Kopfschützer und Handschuhe, nähten Hemden und Unterzeug. Auch von den hiesigen Vereinen wurden viele Liebesgaben an Schokolade, Zigarren, Wurst, Fleisch u.s.w. ins Feld geschickt, dazu auch große Geldsummen für das Rote Kreuz geopfert. Zum Weihnachtsfeste sind über 90 große Pakete vom Roten Kreuz abgesandt worden. Sehr dankbar haben sich unsere Soldaten für diese ihnen zugesandten Liebesgaben erwiesen, wie aus den vielen dem Roten Kreuz zugestellten Postkarten und Briefen zu ersehen ist.


Lazarett in Farmsen

Lazarett im ehemaligen Haus der Familie Hagen in Farmsen
[Quelle: privat]


Besondere Liebestätigkeit wandte unsere Gemeinde dem Vereinslazarett in Farmsen zu. Unmittelbar vor Farmsen steht ein großes geräumiges Haus, Besitzer desselben ist Hofbesitzer Ohlms zu Schellerten. Da dieses Haus zur Zeit des Krieges unbewohnt war, stellte der Besitzer dasselbe dem Roten Kreuz als Lazarett zur Verfügung. Von Schellerten und den Nachbargemeinden ist reichlich gegeben worden, um das Haus zu einem gemütlichen Heim für verwundete Soldaten einzurichten. Mitte Dezember trafen die ersten 18 Verwundeten in Farmsen ein. Die Leitung war zwei Schwestern übertragen, Frl. Vornkahl aus Söhlde und Frl. Reusche aus Bettrum. Die ärztliche Versorgung leitete Dr. Miehe Schellerten. Junge Mädchen aus Schellerten leisteten den Schwestern bei der Arbeit hilfreiche Hand. Große Mengen an Lebensmitteln sind von allen Gemeinden ringsumher gespendet worden, dazu noch manches, das zur Unterhaltung der Verwundeten diente. Soweit mir bekannt und ich von den Verwundeten erfahren habe, werden sie sich gern an die freundliche Aufnahme in hiesigem Lazarett zurückerinnern.

Es soll nicht unerwähnt bleiben, daß auch in der Gemeinde viele offene Hände gewesen sind, die für die Notleidenden in Ostpreußen gegeben haben. Große Mengen Kleidungsstücke und viel Geld ist gesammelt worden, sodaß man von der Jetztzeit getrost sagen darf, daß sie sich der Zeit unserer Väter vor hundert Jahren würdig angereiht hat.

Im März 1915 kommen auch Verwundete aus Ostpreußen ins Lazarett in Farmsen. Ein Soldat stirbt am 24. März an seinen Verletzungen und wird auf dem Farmser Friedhof beerdigt.

Quelle: GASch, Sche 61b