Bahnhof Schellerten

Am 14. November 1892 schrieben der Schellerter Gemeindevorsteher Karl Köhler und der Beigeordnete Hermann Müller in einem Brief an das königliche Eisenbahn-Ministerium in Berlin:

Als die Eisenbahnlinie Hildesheim-Braunschweig gebaut wurde, war die Haltestelle, die heute den Namen Garbolzum führt, Schellerten genannt. Die Gemeinde Schellerten hatte nichts gethan, die Eisenbahn-Behörde zu veranlassen, der Station den Namen ihres Ortes beizufügen, war ihr aber sehr dankbar dafür. Die Eisenbahn-Behörde hatte vielmehr aus eigener Initiative der Station den Namen Schellerten beigelegt, wohl aus dem Grunde, daß die Gemeinde Schellerten zum Terrain des Bahnhofes 3/5, die Gemeinden Garmissen und Garbolzum, dagegen nur 2/5 an die Bahnverwaltung abtreten mußten, daß Schellerten eine Einwohnerzahl von pptr 800 Personen zählt, während Garbolzum kaum 50 Bewohner hat, [...] Aus uns völlig unbekannten Gründen wurde aber kurz vor Eröffnung des Betriebes auf genannter Bahnstrecke der bezeichneten Station der Name Schellerten genommen und ihr der Name Garbolzum beigelegt. Wir haben das damals als eine Härte, als eine unverdiente Strafe bitter empfunden, beruhigten uns aber, weil wir glaubten, daß die Gemeinden Garmissen und Garbolzum, die wie wir erfahren haben, damals so sehr bemüht gewesen sind, die bezeichnete Veränderung des Namens der gedachten Station herbeizuführen, auch willig alle diejenigen Lasten auf sich nehmen würden, welche eine solche Station für die Gemeinde, auf deren Gebiet sie liegt, mit sich bringt. Hierin haben wir uns aber sehr getäuscht. Bis zum Jahre 1888, in welchem die Bahnstrecke Hildesheim-Braunschweig eröffnet wurde, betrug die Zahl der hiesigen Schulkinder nicht volle 120 und es genügte bis dahin hieselbst ein Schulzimmer und ein Lehrer. Als aber die Eisenbahn eröffnet wurde und nun mehrere Bahnbeamte mit Familie nach hier kamen, stieg die Zahl der hiesigen Schulkinder rasch über 120. Damit war die Maximalzahl der Schüler, die auf eine Lehrkraft kommen dürfen, überschritten, und Schellerten wurde seitens der Schulbehörde aufgefordert, eine zweite Schulklasse einzurichten und die Besoldung eines zweiten Lehrers zu beschaffen. [...]

In der hiesigen Kirche sind die meisten Plätze durch Kauf in feste Hände gekommen, für die Unbemittelten aber sind sogen. Freiplätze vorhanden. Als aber die Eisenbahn-Beamte mit ihren Familien hier einzogen, ergab sichs, daß die vorhandenen Freiplätze nicht ausreichten und der Kirchenvorstand hat solche durch Vermehrung der Kirchenstühle schaffen müssen. Dadurch aber sind der Kirchengemeinde Schellerten Kosten entstanden. [...] Dadurch aber, daß acht Bahnbeamte und Bedienteste mit ihren Familien nach Schellerten gezogen sind, sind acht Mietswohnungen besetzt worden. Die nächste Folge davon war, daß für die Ortseinwohner, welche keine eigenen Häuser hatten, die Miete gesteigert wurde, eine weitere Folge war, daß sich die Zahl der ländlichen Arbeiter in Schellerten von auswärts her nicht vermehren konnte, weil es an Wohnungen fehlt. [...]

Nun meinen wir aber, daß derjenige Ort, der den größten Teil an Grund und Boden zur Errichtung einer Eisenbahn-Station hat hergeben müssen und der nun ihretwillen eine große Last hat auf sich nehmen müssen, auch billig das Vorrecht haben sollte, der Eisenbahnstation seinen Namen zu geben. [...]

Das Schreiben ist von der zuständigen Königlichen Eisenbahn-Direktion in Hannover nicht nach Berlin weitergeleitet worden, da die angeführten Gründe bereits bei der Namensgebung berücksichtigt wurden.

Quelle: privat