Ev.-luth. Kirche zu Schellerten

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Die Schellerter Kirche liegt leicht erhöht am süd­west­lichen Rand des alten Dorfs. Von diesem Bau, den, bis in die zweite Hälfte des 19. Jahr­hun­derts, an drei Seiten die Schelle umfloss, be­richten die schriftlichen Quellen erstmals mittel­bar 1373 und 1374. Sie er­wähnen einen Scheller­ter Pfarrer Thiderico (Dietrich), der zu dieser Zeit bereits nicht mehr im Amt ist.

Ev.-luth. Kirche in Schellerten

Hauptweg zur Schellerter Kirche

Der Hauptweg führt den Besucher heute direkt von Norden auf das barocke Kirchenschiff zu. Eine Inschrift über der Tür teilt mit, dass 1766 unter Pastor Johann Heinrich Müller mit dem Bau des Kirchen­schiffs begonnen wurde. Das Vor­­gängergebäude war zu dieser Zeit so verfal­len, dass er nur noch abgerissen wer­den konnte. Nach fünf Jahren war der Bau, der fast vollstän­dig von der Gemeinde finanziert worden ist, voll­endet. Der Generalsuperintendent nahm ver­mut­l­ich im Dezember 1771 die Weihe vor.

Wenden wir uns zunächst nach rechts dem ältes­ten Teil der Kirche – dem Turm – zu. In seiner west­lichen Wand sind Unterschiede in Art und Verar­bei­tung der Bruchsteine zu erkennen, was auf unter­schiedliche Bauzeiten schließen lässt. Ei­ne Inschrift an der Nordwest-Ecke berichtet, das 1608 am Turm, der zuvor eingestürzt sein soll, ge­baut wurde. Das auf­fällige Wappen in der In­schrift ist das Wappen von Heinrich Julius von Braun­schweig-Lüneburg. Die wel­fi­schen Herzöge hatten zwischen 1604 und 1643 das Patronat an der Schellerter Kirche. Aus einer weiteren In­schrift erfahren wir, dass der Turm seit 1933/34 ei­ne Kupferdeckung trägt.

Außen am Turmhelm hängen zwei Schlag­glocken für die Turmuhr. Die größere Glocke goss 1639 Meister Hinrich Quenstaedt aus Hildesheim. Sie ist Schellertens älteste vor­handene Glocke. Die kleine Glocke schafften die Schellerter Ehemänner 1884 als Schlagglocke für die neue Turmuhr an. In der Glockenstube befinden sich zwei bronzene Läuteglocken. Die ältere wurde 1785 von Chris­toph August Becker in Hildesheim gegossen und trägt die Inschrift

Kommt! Kommt! Hört Gottes Wort,
mein Schall erklingt,
die Herzen alle seyn der Ort,
darein es dringt.


Läuteglocken in der Glockenstube

Bronzeglocken von 1930 (links) und 1785 (rechts) in der Glockenstube



Die jüngere entstand 1930 – anlässlich des 400. Ju­biläums des Augsburger Bekenntnisses – für die Gemeinde Duingen in der Glockengießerei Rad­ler in Hildesheim und wurde 1948 nach Schel­­­lerten verkauft. Auf ihr ist die Inschrift zu lesen:

Gottes Wort und Luthers Lehr
vergehen nun und nimmermehr.


Betreten wir nun die Kirche, wie es in Schellerten üblich ist, durch den Turmeingang, fällt der Blick zunächst auf den Kanzelaltar an der gegenüber­lie­gen­den Seite.

Innenraum mit Kanzelaltar

Blick in den Innenraum der ev.-luth. Kriche

Der Kanzelaltar wurde um 1769 vom Hildes­heimer Bild­hauer Johann Caspar Mohr um einen stei­nernen Altar­tisch herum im Rokoko-Stil errichtet. Die Predella – das Sockelgemälde des Altaraufsatzes – zeigt das Hei­lige Abendmahl. Die Kanzel über dem Altar ruht auf zwei Engels­köpfen. Unter dem Kanzeldeckel schwebt eine Taube – Sinnbild des Heiligen Geistes. Über den Durchgängen für den Altarumgang stehen Mose mit den Gesetzestafeln und Johannes der Täufer, dar­gestellt als Pre­diger im Fellkleid mit einem Lamm, weil er Jesus als Lamm Gottes ankündig­te. Über allem triumphiert der auferstandene Chris­­tus auf der Weltkugel zwischen zwei an­betenden Engeln. Vor dem Altar befindet sich unter dem Fußboden eine Grablege. Wer dort bestat­tet ist, ist unbekannt. Zur ursprünglichen Innenausstattung dieser Kirche gehört wohl auch der Taufstein. Er steht im Chorraum, denn nach lutheri­schem Verständnis soll die Taufe in der Gemeinde stattfinden. Der Osterkerzenständer ist eine 1993 ent­standene Bronzearbeit von Sieg­fried Zimmermann aus Hannover. Die Oster­kerze wird alljährlich in der Osternacht in der katho­lischen Kirche St. Michael in Dingelbe ge­weiht und dann als Dank für die monatlich hier stattfindenden katholischen Gottesdienste nach Schellerten gebracht.

Ausschnitt aus dem Deckenfresko 'Christi Geburt'

Ausschnitt aus dem Deckenfresko Christi Geburt

Die drei Deckenfresken sind ein Werk des Hildesheimer Barockmalers Joseph Gregor Winck. Sie entstanden um 1769 und zeigen Christi Geburt, Christus am Kreuz und die Auferstehung Christi. Joseph Gregor Winck gilt als der bedeutenste norddeutsche Brockmaler seiner Epoche. Bereits zu Lebzeiten wur­de er 1778 in das Teutsche Künstlerlexikon aufgenom­men. Die Schellerter Fresken gehören zu den wenigen von ihm noch erhaltenen Werken.

Der Orgelprospekt ist, wie der Kanzelaltar, eine Arbeit von Johann Caspar Mohr. Die dahinter befind­liche Orgel wurde 1769 vom Orgelbau­meister Johann Conrad Müller aus Hildesheim gefertigt. Sie war ur­sprüng­lich eine Barock-Orgel mit einem Manual- und Pedalwerk. Der Hildes­heimer Orgelbauer August Scha­per erweiterte sie 1889 um ein zweites Manual mit romantischem Hinterwerk. Nach zwei Renovierungen 1956/57 und 1988/89 ist heute die ursprüngliche Mül­ler­­sche Orgel einschließlich der um einen Halbton höheren Einstimmung wiederhergestellt. Auch das Hin­­ter­­werk von Schaper ist erhalten, sodass die Orgel heute zwei verschiedene Tonhöhen be­sitzt.


Seit 1934 besitzt die Orgel einen elektrischen Antrieb. Zuvor hatten ein Bälge­treter, der für sei­ne Dienste ent­lohnt wurde, und später die Konfir­manden für die nötige Luftzufuhr gesorgt. Daran erinnert eine Tafel, die sich an der Seite des Orgel­ge­häu­ses befindet. Eine zweite Tafel an der anderen Seite gibt den Inhalt eines Schreibens des Orgelbauers Johann Conrad Müller von 1769 wieder, das bei Renovierungsarbeiten in der Or­gel ge­fun­den wurde. Müller fertigte die Orgel

Zu der Ehre und lob des Großen Gottes und Zu Vermehrung der Andacht.


Orgel

Die Orgel bei einem Konzert mit Christopher Kleeberg am 7. Mai 2011