"Heidenkerkhof" - Gräberfelder im Vorholz

Am nördlichen Rand des "Vorholz" genannten Waldgebiets liegt - von den Dörfern der Börde aus gut sichtbar - der 199 m hohe Mieckenberg. Rund um diesen "Mariechenberg", der noch im 18. Jahrhundert den Namen "Ickenberg", also "Eichenberg", trägt [pfarrachiv wöhle], sind Reste frühgeschichtlicher Buckel- bzw. Hügelgräberfelder erhalten oder belegt. In der Bevölkerung sind sie über Jahrhunderte als "Heidenkerkhof", also "Heidenkirchhof", bekannt. Nach heutigem Verständnis ist damit ein "Heidenfriedhof" gemeint, denn bis ins 20. Jahrhundert hinein fanden christliche Bestattungen ins unseren Dörfern ausschließlich in der geweihten Erde rings um die Kirche - dem Kirchhof - statt. 


Skizze des Vorholzes


Im Stobenholz und im Asseler Holz, Teilgebieten des Vorholzes, werden während der Römischen Kaiserzeit und der Völkerwanderungszeit vom 2. bis ins 6. Jahrhundert n. Chr. Urnengräber angelegt. Auf dem Kuhanger südlich des Stobenholzes deuten Funde darauf hin, dass sich hier in dieser Zeit ebenfalls ein Gräberfeld befunden hat.

Noch ältere Bestattungsplätze sind im Asseler Holz südöstlich des kaiserzeitlichen Gräberfeldes [ludowici 2005], im Ilsenholz zwischen Dinklar und Wendhausen [hv dinklar 2] sowie im Bereler Ries nördlich von Berel nachgewiesen. Sie wurden in der jüngeren Bronzezeit zwischen 1.300 und 600 v. Chr. von den hier lebenden Menschen genutzt.

Diese Jahrtausende alten Friedhöfe belegen, dass in unserer Gegend bereits lange vor der ersten schriftlichen Erwähnung der Dörfer Menschen gelebt haben, auch wenn ihre Siedlungen heute nur noch schwer oder gar nicht mehr zu fassen sind. Möglicherweise sind diese, wie in Wöhle, wo eine eisenzeitliche Siedlungsstelle aus der Zeit zwischen 500 und 300 v. Chr. nachgewiesen ist [wöhle 2009], in den heutigen Dörfern aufgegangen. Reste könnten aber auch noch unentdeckt irgendwo in der Feldmark versteckt sein.